UEFA bereitet Strafverfahren gegen FIFA-Boss Infantino vor

UEFA leitet rechtliche Schritte ein
Die UEFA bereitet ein Strafverfahren gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino vor. Dies geht aus einem 60-seitigen Dokument hervor, das einem Distriktgericht im US-Bundesstaat Florida vorgelegt wurde. Die europäischen Fußballfunktionäre erheben massive Vorwürfe des Fehlverhaltens gegen Infantino, insbesondere im Zusammenhang mit einem gescheiterten Investorenmodell für die WM-Vermarktung.
Im Kern der Vorwürfe steht der Verdacht der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Die UEFA fordert die FIFA und beteiligte Finanzinstitute auf, Dokumente im Zusammenhang mit dem Projekt herauszugeben. Ein Verfahren könnte in der Schweiz, dem Sitz der FIFA, anhängig gemacht werden, wobei der Weg über die US-Justiz formale Gründe hat, da die Rechtsabteilung der FIFA in Florida ansässig ist.
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Die Situation erinnert an den Rücktritt von Infantinos Vorgänger Joseph Blatter im Jahr 2015, der sein Amt nach Ermittlungen der US-Justiz niederlegte. Obwohl Blatter nie verurteilt wurde, war sein Führungskonzept nicht mehr tragbar. Nun attackiert die UEFA Infantino frontal.
Hintergrund des Konflikts
Gianni Infantino hatte ein milliardenschweres Investorenmodell für die WM-Vermarktung ohne Zustimmung der FIFA-Gremien vorantreiben wollen. Konkrete Pläne mit US-Geldgebern wurden vorgelegt, was zu erheblichen Protesten, insbesondere aus Europas Fußball-Führungszirkel, führte. Infantino musste seine Pläne daraufhin zurückziehen und lehnte Rücktrittsforderungen ab.
Die britische Presseagentur AP berichtet, dass die UEFA Unterlagen bei einem Gericht in Manhattan eingereicht hat, um die Offenlegung potenzieller Beweismittel durch den New Yorker Investmentfonds Thrive Capital Management zu beantragen. Dieser Fonds, gegründet von Joshua Kushner, war als Hauptinvestor vorgesehen und sollte der FIFA 4,2 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellen. Im Gegenzug hätte Thrive Capital Management eine 20-prozentige Beteiligung an der Tochtergesellschaft erhalten, die unter anderem die Weltmeisterschaften betreuen sollte.
In einem 56-seitigen Dokument, das der AP vorliegt, erklären die Anwälte der UEFA, dass sie ein Schweizer Strafverfahren gegen Infantino und möglicherweise weitere FIFA-Funktionäre wegen strafbarer Misswirtschaft gemäß Artikel 158 des Schweizer Strafgesetzbuches in Erwägung ziehen. Das Dokument deutet darauf hin, dass die Summe von 4,2 Milliarden Dollar ein „betrügerisch festgelegter, vom Markt abgekoppelter Preis sein könnte, den Infantino zu seinem eigenen Vorteil propagiert hat.“


Nächste Schritte und politische Dimension
Im Fürstentum Monaco präsentierte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin den 55 nationalen Fußballverbänden die nächsten Schritte. Für den DFB waren bei der Sitzung im Saal Atlantique des Le Meridien Hotels von Monaco Präsident Bernd Neuendorf und Hans-Joachim Watzke als Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees anwesend. Die UEFA äußerte sich auf Anfrage nicht zum aktuellen Stand der Dinge.
Die UEFA hatte Anfang August ihre Bedingung für eine Rückkehr zu FIFA-Wettbewerben formuliert, dass sichergestellt werden müsse, „dass derartige Versuche, den Fußball auf diese Weise zu entstellen, niemals wieder unternommen werden.“ Eine solche Zusicherung hatte die FIFA beim Rückzug des Investorenplans zunächst nicht gegeben, holte sie aber nach, als ein Boykott drohte. Dies erfolgte in einem „privaten Schreiben“, das laut dem „Guardian“ „konkrete Garantien“ enthielt.
Infantino, 56 Jahre alt, strebt am 18. März 2027 seine vierte Wahl zum FIFA-Chef an. Unter den 211 stimmberechtigten FIFA-Mitgliedsländern gibt es derzeit keine klare Mehrheit für oder gegen ihn. Ein Alternativkandidat konnte von der UEFA bislang nicht benannt werden, sodass die Personalie nun offenbar von Gerichten beantwortet werden soll.
Die U20-WM der Frauen, die ab dem 5. September stattfinden soll, läuft laut dem polnischen Verband „planmäßig“, und es gibt „keinerlei Informationen über einen möglichen Rückzug eines der teilnehmenden Teams vom Turnier.“


Source: welt.de